25 Jahre Augenabteilung BHB-Wien

Mit 1. September 1982 wurde ich – von der Univ.-Augenklinik in Graz kommend – zum
Vorstand der Augenabteilung der Barmherzigen Brüder in Wien bestellt und mit dem
Wiederaufbau der damals bereits zwei Jahre stillgelegten Augenabteilung betraut.
Seit diesem Zeitpunkt sind nun über 25 Jahre vergangen und somit ein gegebener Anlass
einen Blick auf den Werdegang der Abteilung zu machen.

Von Prim. Univ.-Prof. Dr. Gustav Bartl.

Am Anfang meiner Tätigkeit musste ich von Null weg beginnen, da die noch vorhandenen Einrichtungen überaltert und weder eine Bettenstation noch ein entsprechend ausgebildetes Personal vorhanden waren (Abb.1). Durch Unterstützung des Konvents gelang es sukzessive Räumlichkeiten zu adaptieren und mit moderner Gerätschaft auszurüsten. Nach Kundmachung der Wiedereröffnung wurde die Ambulanz von der umgebenden Bevölkerung gut angenommen und immer häufiger frequentiert. Drei Monate später erhielt ich durch zwei Kollegen aus Graz Verstärkung. Betten bekam ich bei Bedarf von der Internen Abteilung und stundenweise stand uns der HNO-Operationssaal zur Verfügung. Somit konnten wir nach relativ kurzer Zeit einen Großteil der im Operationskatalog angegebenen Eingriffe vornehmen und bis Ende 1982 bereits 176 Operationen durchführen. In den folgenden 10 Jahren kam es auf Grund einer kontinuierlichen Zunahme an Patienten laufend zu einer Personalaufstockung im ärztlichen und pflegerischen Bereich, wobei jedoch die räumlichen Gegebenheiten auf der Augenstation sowie der Ambulanz noch nicht dem benötigten Standard entsprachen und auch noch kein eigener Augenoperationssaal vorhanden war. Im Rahmen der Generalsanierung des gesamten Krankenhauses in den Jahren von 1992 bis 2002 entstand schließlich durch Um- und Zubauten eine großzügige Erweiterung der Allgemein- und der Spezialambulanzen, ein Eingriffsraum sowie komfortable Zwei- bis maximal Vierbettzimmer (Abb. 2) auf den Stationen und als weiterer markanter Schritt der Zubau von zwei mikrochirurgisch komplett ausgestatteten Augenoperationssälen im Zentral-OP (Abb.3). Damit war der Aufbau der Abteilung zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen und entsprach bezüglich den räumlichen Gegebenheiten und dem Leistungsspektrum mit seinen Qualitätsmerkmalen dem höchsten internationalen Standard.

In den folgenden Jahren bis zur Gegenwart war die Augenheilkunde geprägt durch neue medizinische Entwicklungen die auch unsere Abteilung wesentlich beeinflusst haben und eine laufende Anpassung und Erneuerung erforderten. So konnten einerseits durch verfeinerte Diagnoseverfahren wie dem HRT beim Glaukom (Abb.4) und die OCT in Kombination mit der Fluoreszenzangiographie bei Makulaerkrankungen (Abb.5) Veränderungen früher und genauer erkannt und damit der Verlauf besser beurteilt werden. Neue Behandlungskonzepte wie z.B. die Anti - VEGF Therapie erlauben eine raschere und effizientere Behandlung des Makulaleidens. Andererseits führten neue minimalinvasive mikrochirurgische Operationstechniken wie z.B. bei der Kataraktoperation, der Refraktiven Chirurgie (Abb.6), der Pars plana Vitrektomie, dem Membrane Peeling beim Macular Pucker (Abb.7), der Ablatiooperation mit all ihren Facetten (Abb.8) zu einer reduzierten OP-Zeit, zu einer geringeren Gewebsbelastung und zu einem besseren funktionellen Ergebnis. Dies alles ergibt in Summe für den Patienten im Vergleich zu früher einen verkürzten Spitalsaufenthalt, eine raschere Rehabilitation und damit bessere Lebensqualität.

In der Konsequenz führte dies in den letzten sechs Jahren trotz Reduktion der Bettenzahl zu einer Steigerung der Operationsfrequenz. Insgesamt haben die operativen Eingriffe von 1982 bis 2008 kontinuierlich zugenommen. Im Jahre 2007 wurden insgesamt 8500 Eingriffe, davon in den beiden Augen-OPs rund 4000 größere Operationen (über 3000 Kataraktoperationen), vorgenommen. Stationär versorgten wir knapp 4.000 Patienten und in der Ambulanz wurden 19.000 Behandlungen durchgeführt. Erbracht wurde die Leistung von 14 Ärzt/innen, davon 6 Ober-, 4 Assistenz- und 4 Sekundarärzt/innen sowie 25 DGK-Schwestern/Pflegern, 11 Pflegehelfer/innen und 4 Sekretärinnen sowie von Mitarbeiter/ innen in der Verwaltung (Abb.9). Durch die funktionell komplexe und freundliche Gestaltung der Räumlichkeiten, die moderne apparative Einrichtung, die erstklassige Ausstattung der operativen Einheiten sowie bestens ausgebildete und hoch motivierte Mitarbeiter/ Innen, steht den Augenpatienten jetzt eine Abteilung mit sehr hohem Niveau zur Verfügung, welches durch laufendes Qualitätsmanagement im ärztlichen und pflegerischen Bereich gewährleistet wird. Letzteres profitiert auch durch eine eigene Pflegeakademie, an der ich seit 25 Jahren unterrichte. Während dieser 25 Jahre wurden 14 Assistent/innen im Augenfach ausgebildet. Kontinuierlich werden im Hause auf Grund meiner Tätigkeit als Ärztlicher Direktor und Abteilungsvorstand Symposien mit life surgery und Fortbildungsveranstaltungen organisiert sowie die Teilnahme an nationalen und internationalen Kongressen und fachspezifischen Kursen gefördert.

An dieser Stelle möchte ich meinen besonderen Dank allen Mitarbeiter/innen aussprechen, die in über zwei Jahrzehnten mit hohem Engagement am Aufbau und der gleichbleibend hohen Qualität der Abteilung bei stets harmonischem Arbeitsklima mitgewirkt haben. Mein Dank gilt auch dem Konvent der Barmherzigen Brüder, die mir diese Aufgabe ermöglicht haben sowie den zuweisenden Fachärzt/innen für das entgegengebrachte Vertrauen.

KRANKENHAUS DER
BARMHERZIGEN BRÜDER
Prim. Univ.-Prof.
Dr. Gustav Bartl
Vorstand der Augenabteilung
und Ärztlicher Direktor
Große Mohrengasse 9
1020 Wien
Tel. 01 / 211 21 1140
E-mail: abteilung.augen@bbwien.at

 
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