OculusGen bei fistulierender Glaukomchirurgie

Christoph Faschinger und Georg Mossböck, Univ.-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz

Die fistulierende Glaukomchirurgie (Trabekulektomie oder Goniotrepanation) ist nach wie vor der Goldstandard bei der Behandlung von Augen, bei denen aus verschiedenen Gründen eine konservative Therapie nicht sinnvoll, nicht ausreichend oder nicht möglich ist. Das Prinzip der Operation besteht in einem offenbleibenden Loch, nämlich der korneoskleral angelegten Fistel, und dem Abtransport des Kammerwassers unter die Tenon und Bindehaut mit folgender Resorption in einem sich auszubildenden Sickerkissen.

Jede Störung einer Gewebsintegrität führt zur Reaktion im Sinne einer physiologischen Kaskade der Wundheilung, welche über zahlreiche molekulare Mechanismen vermittelt wird. Eine überschießende Wundheilung kann zu einem Verschluss der Fistel oder zu einer Verhinderung der Ausbildung eines Sickerkissens führen. Sichtbar wird dies in anfänglich verstärkter Gefäßausbildung, anschließend in Vernarbungen und neuerlichem Anstieg des Augeninnendrucks. Das Maximum der Wundheilung liegt zwischen dem 7. und 10. postoperativen Tag, der Heilungsprozess dauert meist mehrere Monate.

Ziel der Operation ist das Erlangen eines Zieldruckniveaus, damit es ohne Therapie dauerhaft zu keiner weiteren Krankheitsprogression kommt. Laut einer großen retrospektiven Studie aus der Kölner Augenklinik sind bereits nach drei Monaten bei mehr als einem Drittel der Augen die Druckwerte wieder über 21 mm Hg.

Zur Verbesserung der Langzeitprognose, besonders bei schlechten Ausgangszuständen, werden deshalb seit vielen Jahren Additive, wie Implantate oder Medikamente (Steroide, Antikörper, Antimetabolite wie 5-Fluorouracil oder Mitomycin C) bei oder nach der Operation verwendet. Mitomycin C, das in alle Phasen des Zellzyklus eingreift, wird beinahe immer primär intraoperativ angewendet. Die extreme Potenz dieses Medikamentes führt in einem Teil zu völlig avaskulären Sickerkissen mit sehr dünner Bindehaut/ Tenon, welches eher zu einer Entzündung (?Blebitis") und folgend zu einer Endophthalmitis neigt.

Als Alternative zu diesen Substanzen bietet sich OculusGen an. OculusGen ist eine dreidimensionale Kollagen-Glykosaminoglykan- Matrix aus Schweineoder Rinderkollagen, die wie ein zylindrisches Schwämmchen von 7 mm Breite und 4 mm Höhe aussieht. Es hat Poren von 20 bis 200 ?m, durch die die bei der Wundheilung neugebildeten Zellen und das Kollagen der Tenonfibroblasten randomisiert hineinwachsen sollen, also im Sinne eines ?tissue-modellings". Durch die Verhinderung von linearem Wachstum wird ein Anti-Narbenkontaktionseffekt bewirkt.

Das OculusGen-Schwämmchen wird nach Fixation des Skleradeckelchens mit einer bis drei 10-0 Nylon Nähten (je nach Fistulierung und Tonisierung bei der unbedingt notwendigen Spülprobe) auf die Sklera und unterhalb die Tenon gelegt und dann Bindehaut und Tenon limbal fixiert. Die Kollagenmatrix resorbiert sich innerhalb von 1-3 Monaten. Durch den anfänglichen Druck auf das Skleradeckelchen wird auch die Wahrscheinlichkeit einer postoperativ seichten Kammer geringer.

Wir haben in den letzten neun Monaten 25 Augen von GlaukompatientInnen anstelle von Mitomycin C mit OculusGen operiert und durchwegs hervorragende Ergebnisse erzielen können. Der mittlere präoperative Augendruck war 26.9 mm Hg, bei der Entlassung nach drei Tagen 10.6 mm Hg. Bei allen Augen war nach drei Monaten Beobachtungszeit der Augendruck ohne Glaukommedikation unter 18 mm Hg, im Mittel bei 15.3 mm Hg.

Ein Vorteil gegenüber der Anwendung von Mitomycin C ist auch, dass die spezielle Zubereitung und Entsorgung des hochtoxischen Medikamentes wegfallen. Eine prospektive, randomisierte, kontrollierte, ev. multizentrische Studie mit dem Vergleich des derzeitigen Goldstandards (Trabekulektomie mit Mitomycin C) versus Trabekulektomie mit OculusGen wäre sinnvoll.

Informationen zu OculusGen Biomedical Inc. Taiwan, www.OculsGen.com

 
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