Erfolg ist, wenn der Kunde strahlt

Die Leistung Wellenfront-basierter Refraktion ist nachweisbar

Von Jesús M. Cabeza, Lars Mendel, Timo C. Kratzer*

Drei Fragen bewegen die augenoptische Szene im Moment in besonderem Maße.
Erstens: Was bewirken die hoch gelobten neuen Konzepte zur Versorgung der Brillenträger?
Zweitens: Welche Bedeutung haben Wellenfront-Messungen bei der Fehlsichtigkeitsbestimmung?
Und schließlich: Sind Fehler höherer Ordnung der Schlüssel zu einer neuen Qualität
der Korrektion mit dem Brillenglas? Diesen Fragen soll hier einmal nicht auf der Basis theoretischer
Darstellungen und Konzeptvergleiche nachgegangen werden, sondern aufgrund
von Erfahrungen in der Praxis. Konkret geht es um das Beispiel der Lösung i.Scription® von
Carl Zeiss Vision, die auf der Basis von Daten der subjektiven Refraktion und der Wellenfrontmessung
des Auges eine neue Optikrechnung für das Brillenglas repräsentiert.

Viele wirken mit – einer zählt
Wenn es um die bestmögliche Brillenversorgung geht, sollte man drei Ebenen im Blick halten. Die eine ist die technischwissenschaftliche Seite, bei der es um Verfahren, Berechnungen und Herstellung geht. Hier ist das Feld der Fachleute in Industrie, Forschung und Lehre, der Fertigungsspezialisten und einiger besonders interessierter Augenoptiker. Die zweite Ebene bilden die Praktiker im täglichen Geschäft, sei es der Selbstständige oder der Mitarbeiter eines größeren augenoptischen Anbieters. Und schließlich ist da noch der Wichtigste in der Reihe: der Kunde. Alle neuen Konzepte und Lösungen müssen ihre Leistungsfähigkeit am Maßstab des Kunden
erweisen.
In diesem Beitrag soll der zuletzt Genannte, der Kunde, das wichtigste Kriterium sein. Anhand von klaren Äußerungen besonderer Zufriedenheit von Kunden soll versucht werden, die tatsächlich erfolgte Verbesserung bei der Brillenversorgung anhand der zugrunde liegenden Daten nachzuvollziehen.

Dem ?schwachen" Auge
geholfen Ein Augenoptiker, der bereits früh erste Erfahrungen mit i.Scription machte, berichtet von einem Kunden H., der in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Brillen unzufrieden war. Das linke Auge konnte nie so korrigiert werden, dass seine Sehleistung an die des rechten heranreichte. Die Subjektive Refraktion (SR) ließ keinen Ansatz für bessere Korrektionsmöglichkeiten erkennen. Die Verordnung nach SR ergab rechts: +1.25/-0.50 A 104° links: +1.25/-1.00 A 60°
Dabei erreichte H. mit dem rechten Auge Visus 1.0, beim linken Auge ging dieser Wert nicht über 0.8 hinaus. Auf der Basis der SR und der mit dem Wellenfront-Aberrometer i.Profiler® ermittelten Daten wurden für den Kunden i.Scription Brillengläser berechnet und gefertigt. Als die Brille angepasst war, zeigte sich H. begeistert. Er konnte erstmals auch links so gut sehen, wie er es erwartet hatte. Eine Überprüfung zeigte, dass er nun auf beiden Augen Visus 1.0 erreichte. Was hat diese Verbesserung herbeigeführt?

Zahlen können in die Irre führen
Ein Blick auf ide Brillenglas-Daten kann noch keinen wirklichen Aufschluss ueber die Veranderung geben. Vielmehr wird, wer allein die Zahlen betrachtet, rechts eine stärkere Leistungsveränderung vermuten als links. Die Werte der i.Scription Gläser lagen bei rechts: +1.54/–1.08 A 56° links: +1.30/–1.10 A 86°
Deutlich wird auf jeden Fall, dass mit den i.Profiler Daten eine wesentlich feinstufigere Refraktion möglich ist, als mit der SR. Das Wellenfront-Messgerät ermittelt die Wellenfront- Refraktionsdaten auf 1/100- Dioptrien genau. Deshalb hat Carl Zeiss Vision Verfahren entwickelt, mit denen sich diese Präzision auch in die Fertigung übertragen lässt. Doch auch die genaueren Refraktionswerte können die wahrgenommene Verbesserung nicht schlüssig erklären.

Bilder muss man interpretieren
Es ist bekannt, dass die Wellenfront- Messung des Auges sich grafisch in einer farbigen Fläche darstellen lässt. Daraus kann man Hinweise gewinnen, welche Art von optischen Fehlern das Auge eines Kunden aufweist. Typische Wellenfront- Darstellungen deuten auf Astigmatismus oder auf Fehler höherer Ordnung wie Dreiblattfehler und Koma hin. Daraus ist jedoch auch nicht nachvollziehbar, wie im konkreten Fall eine für den Kunden wirksame Verbesserung des Sehens entsteht. Im Fall des beschriebenen Kunden ließ die Wellenfront- Grafik erkennen, dass das linke Auge deutliche Aberrationen aufweist. Dabei ist weder ein klarer Defokus noch ein deutlicher Zylinder erkennbar. Es handelt sich eindeutig um Aberrationen höherer Ordnung. Es ist jedoch kein Hinweis erkennbar, mit welchen Maßnahmen konkrete Verbesserungen beim Kunden erreicht werden können.
Carl Zeiss Vision sieht die im Wellenfrontbild sichtbaren Fehler grundsätzlich nicht als Messgröße für die Korrektion an. Daher werden einzelne oder sich überlagernde Fehler höherer Ordnung, wie sie mit dem Wellenfront-Aberrometer gemessen werden, auch nicht als Vorgabe für die Berechnung des Brillenglases herangezogen. Das ?Beheben" solcher Fehler ist gar nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, alle festgestellten Aberrationen in Summe zu berücksichtigen.
Dies geschieht, indem auf der Basis der subjektiven Refraktion und der Wellenfrontmessung mit dem i.Scription Optimierungsalgorithmus eine neue Refraktion erstellt wird, die den realen Bedingungen des Sehens besser angepasst ist.

Neues Schaubild für mehr Information
Zur Erinnerung: Die Frage, was die Verbesserung beim Kunden H. herbeigeführt hat, ist noch offen. Wie sich die neue i.Scription Berechnung auswirkt, lässt sich gut mit einem von Timo Kratzer gemeinsam mit Jesus Cabeza und Mike Morris (Carl Zeiss Vision, Aalen bzw. USA) entwickelten Schaubild verdeutlichen, dem Zylinder- Kreis (auch CMK-Kreis genannt). Darin werden Achslage und Größe der Astigmatismus- Korrektion in Form eines Punktes dargestellt. Die Entfernung des Punktes von der Mitte bezeichnet dabei den Zylinder, die Position im Radius die Achse. Zu beachten ist, dass in diesen Grafiken die optische Wirkung der Astigmatismus-Korrektion auf der Hornhaut dargestellt ist. Diese Werte weichen bei zunehmender Korrektion stärker von den Zylinder-Werten der Brillenglas- Korrektion ab.
Überlagert wird diese Darstellung mit einer Abbildung der Sehleistung, die aus der i.Scription Refraktion abgeleitet ist, und zur besseren Übersicht abgestuft wird (95% = helles Magenta, 75%, 50%, 25% = hellblau, und kleiner = weiß). In der Darstellung des linken Auges von H. zeigt sich eine deutliche Differenz zwischen dem mit SR ermittelten Zylinder/ Achsen-Wert (gelber Punkt) und dem entsprechenden Wert der i.Scription Refraktion. Der i.Scription Zylinder (weißer Punkt) liegt im höchsten Sehleistungsbereich. Dadurch und durch die global an die Aberrationen angepasste Korrektion ist in diesem Fall die Visus-Verbesserung beim linken Auge eingetreten. Grundsätzlich ist erkennbar, dass die maximal mögliche Sehleistung bei dem Kunden H. rechts besser ist als links, da links höhere Aberrationen vorliegen.

Sehen bei Nacht wesentlich verbessert
In einem anderen Fall berichtete der Kunde S. von einer überzeugenden Verbesserung des Sehens bei Nacht. S. ist viel mit dem Auto unterwegs und fühlt sich bei Nachtfahrten beeinträchtigt. Für den Augenoptiker war dieser Hinweis der Anlass, die i.Scription Korrektion vorzuschlagen. Die SR ermittelte eine Korrektion von rechts: +6.00/-2.00 A 9° links: +7.00/-2.50 A 4°

Die i.Scription Refraktion ergab dagegen
rechts: +5.85/-1.79 A 6°
links: +6.50/-1.73 A 13°

Wie sich dies ausgewirkt hat, zeigen wiederum die Ergebnisse der verschiedenen Refraktionen in der Zylinder- Kreis-Darstellung. Die subjektiven Voraussetzungen für das Sehen bei Nacht lassen sich oft besonders gut über die Messewerte des i.Profiler bei weiter Pupille erkennen. Hier zeichnen sich Sehbedingungen ab, die mit der SR nicht erfasst werden, da die Pupille sich im hellen Licht des Untersuchungsraums und der Sehprüfungsanzeige schließt.
Die Abbildung 3 lässt erkennen, dass der Kunde S. auf dem rechten Auge mit der SR gut versorgt wäre, dass aber das linke Auge erst mit der i.Scription Versorgung angemessen korrigiert werden kann. Die Verbesserung um zwei Sehleistungsbereiche ist ein klarer Hinweis: In diesem Fall kann die SR nicht genügend Informationen liefern, um S. wirkungsvoll zu helfen. Zur Interpretation ist es auch hier hilfreich, sich die Wellenfront-Grafik anzusehen (Bild 4).
Bezieht man diese Interpretation auf den CMK-Kreis, so bietet sie den Schlüssel für die eng begrenzten Sehleistungsbereiche. Der Bereich optimalen Sehens ist durch den Defokus minimal und verlangt daher nach einer sehr sorgfältigen Refraktion. Beim rechten Auge ist dies mit SR gelungen, beim linken führte dieser Weg nicht zum Ziel.

Volle Schärfe auch in der Ferne
Das Gefühl, nicht optimal scharf zu sehen, störte den Kunden K. Er hat als langjähriger Brillenträger nie die Korrektion bekommen, die seinen Ansprüchen genügte. Nach der Anpassung einer neuen Brille mit i.Scription Gläsern bestätigte er seine volle Zufriedenheit. Er habe noch nie so gut gesehen. In seinem Fall ergaben sich nach SR die Werte: rechts: -0.75/-1.00 A 50° links: -0.50/-0.75 A 160°
Die i.Scription Refraktion ermittelte: rechts: -0.69/-1.05 A 53° links: -0.48/-0.70 A 140°
Einen Hinweis auf charakteristische Aberrationen gibt die Wellenfront-Grafik. Das Bild des i.Profiler deutet auf eine Koma auf dem linken Auge hin, die die anderen Aberrationen überlagert. Die Auswirkung lässt sich bei einem Blick auf den CMKC Kreis erkennen. Die i.Scription Refraktion ergab eine deutliche Verschiebung der Zylinderachse. Dabei mag der erste Blick tauschen, denn durch den geringen Zylinderwert erscheinen der gelbe Punkt (Achse nach SR) und der weiße Punkt (Achse nach i.Scription) nahe am Zentrum des Kreises. Obwohl sie also scheinbar dicht beieinander liegen, ergibt sich auf dem engen Radius eine Veränderung der Zylinder-Achse 20°. Gemeinsam mit der globalen Berücksichtigung der Aberrationen (insbesondere Koma) ist dadurch für den Kunden eine überzeugende Leistungsverbesserung entstanden.

Kompetenz schafft Geschäftschancen
Die gezeigten Praxisbeispiele bestätigen, dass mit den kombinierten Werten aus SR und Wellenfront-Messung eine Datenbasis zur Verfügung steht, die bei richtiger Interpretation - beispielsweise mit i.Scription Algorithmus - zu einer wesentlichen Verbesserung des subjektiven Seheindrucks beim Kunden führen kann. Durch die Überprüfung mit dem Zylinder- Kreis und die Interpretation des Wellenfront-Bildes ist nun auch nachvollziehbar, wodurch eine jeweils vom Kunden festgestellte Steigerung der Sehleistung erzielt wurde.
In der Praxis kann der Augenoptiker in vielen Fällen seine Kunden begeistern, wenn es ihm gelingt, teilweise nur angedeutete Sehprobleme oder Unzufriedenheiten zu interpretieren und mit einer hochwertigen Korrektionslösung wie i.Scription neue Wege zu besserer Sehleistung zu öffnen.
Der innovative Ansatz, die Informationen unterschiedlicher Refraktionsverfahren zusammenzuführen, bietet für den Augenoptiker einen entscheidenden Vorteil: Mit dieser neuen Lösung kann er seine Kompetenz als Ansprechpartner auch für schwierige Korrektionsaufgaben untermauern. Gerade in solchen Fällen schafft er auf diese Weise ideale Bedingungen für eine dauerhafte Kundenbeziehung. Wer dem Kunden zu einer Sehleistung verhilft, die er bisher immer vermisste, hat selbst die beste Empfehlung für künftige Aufträge gegeben. Und mit i.Scription steht ein Produkt zur Verfügung, das dem Augenoptiker einen deutlichen Vorsprung im Wettbewerb an die Hand gibt.

 
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