Vision 2020 - wie soll unsere Zukunft aussehen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Sind Sie eine(r) der jüngeren Ophthalmologen/ Ophthalmologinnen, die nicht genau wissen wie ihre Zukunft aussehen wird? Gehören sie zu jenen Kollegen oder Kolleginnen, deren Tochter oder Sohn nicht nur Mediziner sondern – wohl aus Bewunderung für die Tätigkeit des Elternteiles – auch Augenarzt/Augenärztin geworden ist? Dann machen sie sich ebenfalls Sorgen um die Stellung und Anerkennung der Augenärzte bis zum Jahre
2020 in Österreich. Werden wir in den Praxen nicht mehr genug verdienen können und dann als Angestellte
in großen Gesundheitszentren arbeiten? Werden wir in den Spitälern so klein gehalten, dass wir selber nicht mehr an den Wert unseres Könnens glauben? In den ambulanten Bereich abgerückt, gilt dann das Fach Ophthalmologie – bisher ein „Bringer“ für jedes Krankenhaus – als eher teures Ambulatorium, in das nicht viel investiert werden kann.

Dieser Prozess ist in den USA schon eingeleitet, ophthalmologische Departmentleiter gehören nicht mehr zu den wichtigen Entscheidungsträgern eines Krankenhauses oder einer Universitätsklinik, da sie nicht genügend „einbringen“. Im niedergelassenen Bereich wird Preisdumping zwischen den Kollegen betrieben, ein 70%iger Nachlass auf eine Lasikbehandlung (noch billiger bei 2 Augen) ist im Internet häufig angepriesen. In Deutschland bekommt ein Augenarzt nur mehr schwer einen Kredit um seine Ordination einzurichten, da die
Zahl der Konkurse zu häufig geworden ist.

Ich denke, dass in wirtschaftlich schwierigen Situationen die beste Überlebenschance darin liegt, das zu tun, was man gut gelernt hat, am besten kann und dies in optimaler Qualität verlässlich ausführt. Wir sind Augenärzte geworden um das Sehen zu erhalten und der Erblindung vorzubeugen, ihr Sohn oder ihre Tochter ebenfalls. Bei
allem Sinn für Wirtschaftlichkeit werden wir nie großartige Geschäftsleute werden. Verteidigen wir daher gemeinsam unseren Fachbereich der Augenheilkunde! Stellen wir klar, vor der Bevölkerung, den Politikern und den Fachkollegen, welche Bedeutung das Sehen für das Leben und den Beruf jedes Menschen hat und dass die Erhaltung des Sehens eines der wichtigsten Güter im Leben jedes Einzelnen ist. Zweifelsfrei tragen wir als erster
Ansprechpartner und letzter Entscheidungsträger hier die oberste Verantwortung!

Auch bei großem Respekt vor dem Fachwissen der Orthoptisten, Optometristen und Optiker und in Anerkennung aller Initiativen von Vereinen, die sich um die Anliegen von Sehbehinderten sorgen, haben die Augenärzte nach einem 6- jährigen Universitätsstudium noch weitere sechs Jahre Facharztausbildung zu absolvieren, bevor sie Menschen betreuen. Wir haben eine ethische Verantwortung gegenüber dem Patienten und keine Gewinnmaximierung zum obersten Ziel!

Liegt der Wert des Augenarztes in Dritte-Weltländern, Südostasien und arabischen Ländern auch heute noch enorm hoch, da ohne die Erhaltung des Sehens ein Überleben dort nicht möglich ist, so besteht in den Industrieländern kaum Interesse, solange man den Augenarzt nicht unbedingt braucht. Bedauernswerterweise ist in den Industrieländern das Bewußtsein der Gefahr für eine Sehbehinderung nicht genügend verankert.
So wissen über 50-jährige Menschen (die „babyboomers“) nicht, dass 50% von ihnen gefährdet sind an einer der fünf Augenerkrankungen Makuladegeneration, Katarakt, Glaukom, diabetischer Retinopathie oder trockenes Auge zu erkranken, Mütter lassen ihre Kinder nicht mehr rechtzeitig untersuchen um Amblyopien zu behandeln, über Schutzmaßnahmen zur Verhinderung von Augenunfällen wird in der Öffentlichkeit kaum geredet.

Deshalb hat die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft für die Tagung 2008 in Graz vom 1.–3. Mai unsere Standespolitik im„State of the Art Block“ am Samstag in den Vordergrund gestellt. Zum Erfahrungsaustausch haben wir zusätzlich zu einem versierten nationalen Gremium Herrn Dr. Mike Brennan, den Präsidenten 2009 der American Academy of Ophthalmology (AAO) und Prof. Marie-Jose Tassignan, Vorsitzende des European Board of Ophthalmology (EBO) eingeladen. Wir müssen uns heute richtig positionieren, wenn wir auch noch 2020 freiberufliche, anerkannte Mediziner sein wollen. Unsere Ausbildung
muss international konkurrenzfähig sein, ständiges Lernen und Fortbildung eine Selbstverständlichkeit und unser Selbstbewusstsein intakt sein. Auch 2020 brauchen unsere Patienten die bestmögliche Behandlung, die Bevölkerung eine optimale Prävention um SEHEN zu ERHALTEN und der ERBLINDUNG VORZUBEUGEN!

Mit kollegialen Grüßen
Univ. Prof. Primaria Dr. Susanne Binder
Präsidentin ÖOG

 
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