19.11.2019

AKH Wien: KI-Netzhautscreening bei Diabetes

Ihre Erfahrungen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Netzhautscreening von Diabetikern schilderte Klinikleiterin Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des ART-Kongresses. Im Einsatz sind zur Zeit drei IDx-DR-Systeme auf der Basis einer TOPCON-Funduskamera TRC-NW400 im AKH, der KA Rudolfstiftung und im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Der Algorithmus wurde in Iowa entwickelt und kommerzialisiert und von der U.S. Food and Drug Administration 2018 als "first medical device to use artificial intelligence to detect greater than a mild level of the eye disease diabetic retinopathy in adults who have diabetes" freigegeben. Vorgesehen war dabei die Nutzung "in a primary care doctor's office". Die Analyse erbringt als mögliche Untersuchungsergebnisse einen negativen Befund, eine "Moderate Netzhauterkrankung" oder eine "Sehbedrohliche Netzhauterkrankung". Wobei es sich nicht sehr oft irrt.

"Der Roboter entscheidet sich im Zweifelsfall eher zu einem falsch positiven Ergebnis, damit geht der Patient zum Augenarzt und erhält in jedem Fall eine sichere Diagnostik", beruhigt Priv.-Doz. Dr. Bianca Gerendas, MSc, Leiterin des Vienna Reading Centers. "Bei den ersten 450 Patienten konnten wir nur einen einzigen Fall identifizieren, wo ein Arzt eine genauere Diagnostik vorgeschlagen hätte, als der Computer. Bei den anderen 449 Patienten war IDx-DR korrekt oder übergenau". Die Diagnosestellung beim Screening erfolgt innerhalb von wenigen Minuten. Dazu werden die Patientendaten anonymisiert auf einen Server in den Niederlanden geschickt. "Dazu ist keine Ärztin und kein Arzt nötig. Die Patientinnen und Patienten setzen sich vor die Kamera und fünf Minuten später kommt der Befund aus dem Drucker", erläuterte Schmidt-Erfurth, die auch das Christian Doppler Labor für künstliche Intelligenz am Auge leitet.

Notwendig werde der Einsatz von KI auch angesichts der demographischen Entwicklung und des drohenden Ärztemangels: Schmidt-Erfurth: "Die Patientenzahlen steigen rasant, die Zahl der Augenärztinnen und Augenärzte nicht". Automatisches Augenscreening sei "zuverlässig, schnell, einfach und ortsunabhängig" und könne frühe Krankheitsstadien identifizieren. Auf diese Weise können "Ressorurcen besser eingesetzt werden, so dass Fälle mit intensiverem Management auch entsprechende Ressorcen erhalten".

Wie Assoc.-Prof. PD Dr. Andreas Pollreisz ausführte, werden in Österreich jährlich rund 5.600 neue Fälle von Retinopathie verzeichnet. Von den Typ-I-Diabetikern entwickeln 67 Prozent eine Netzhauterkrankung innerhalb von 5 Jahren und mehr als ein Drittel der neu entdeckten Typ-II-Diabetiker haben bereits eine Netzhauterkrankung. Ein früherer Behandlungsbeginn würde eine bessere Prognose ermglichen.

Ausführliche Informationen zu Netzhauterkrankungen und Künstlicher Intelligenz wird es beim ART-Kongress am 23. November in der MedUni Wien geben.

Infos: www.artvienna.eu

Fotos: MedUni Wien/Kovic





 

 

 

 

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