12.03.2019

Weltglaukomtag: Glaukom digital

Mit dem Mythen, die sich rund um das Glaukom im Internet gebildet haben, beschäftigte sich OA Dr. Anton Hommer anlässlich des Weltglaukomtages. Leider sind viele dort gebotene Informationen falsch, unvollständig, irreführend oder sogar angsterzeugend.

OA Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Oberarzt an der Augenabteilung der Krankenanstalt „Sanatorium Hera“, langjähriges Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukomgesellschaft, Vorsitzender der Glaukom-Kommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, klärte auf: „Die häufigste irreführende Information ist der Hinweis, dass Betroffene die Gesichtsfeldausfälle als ‚schwarze Flecken‘ wahrnehmen. Dies stimmt in den meisten Fällen nicht. Frühe Gesichtsfelddefekte werden, da sie meist zu Beginn nur ein Auge betreffen, vom gesunden Auge ausgeglichen. Außerdem ergänzt unser Gehirn die Umgebung in die Gesichtsfeldausfälle hinein. Daher wird kein ‚schwarzer Fleck‘ wahrgenommen, sondern bestenfalls ein ‚unscharfes Areal‘ oder ‚verschwommenes Sehen‘ beschrieben. Dies ist auch der Grund, warum die Erkrankung so lange für die Erkrankten unbemerkt verläuft – es sind für sie einfach keine Symptome zu erkennen. Auch der sogenannte Tunnelblick wird nur in ganz seltenen Fällen von den Betroffenen beschrieben.“

Hommer warnte: „Es gibt keine validen Studien, die belegen, dass mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Akkupunktur der Augendruck gesenkt und das Glaukom behandelt werden kann. Jede Werbung dafür ist als rein wirtschaftlich motiviertes Handeln bei fehlender wissenschaftlicher Absicherung einzustufen. Bei Cannabis gibt es zwar einige Publikationen, die einen gewissen Augendruck-senkenden Effekt beschreiben, dieser ist aber nicht ausreichend therapeutisch sinnvoll ausgeprägt, um die Einnahme zu rechtfertigen, da man alle drei Stunden THC in einer Dosis zu sich nehmen müsste, die eine Teilnahme am täglichen Leben wohl eher ausschließt. Im Vergleich dazu muss man herkömmliche Augentropfen nur alle 12 bis 24 Stunden anwenden – mit wesentlich weniger und kaum das tägliche Leben einschränkenden Nebenwirkungen.“

Über den Einsatz neuer computerbasierter Systeme mit "künstlicher Intelligenz" berichtet Assoc. Prof. Dr. Gerhard Garhöfer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Leiter der Abteilung OphthalmoPharmakologie an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien. „Ziel dieser neuen Systeme ist jedoch nicht das Ersetzen der ärztlichen Diagnose. Vielmehr stehen dem Arzt oder der Ärztin neue High-Tech Assistenzsysteme zur Verfügung, um eine schnellere und individuellere Therapie zu ermöglichen.“

„Das Glaukom ist eine chronische, unheilbare Krankheit und die zweithäufigste Erblindungsursache in der industrialisierten Welt. Schäden, die von ihr verursacht werden, können durch die medizinische Behandlung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die rechtzeitige Behandlung kann aber das Voranschreiten der Erkrankung eindämmen oder verhindern“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie und stellvertretender Klinikvorstand der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz. „Es ist daher besonders wichtig rechtzeitig und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen: Ab dem 40. Lebensjahr sollten wir alle einmal pro Jahr zum Augenarzt gehen. Er kann das Glaukom mit schmerzlosen Untersuchungen feststellen oder ausschließen. Der stille Verlauf dieser Erkrankung führt dazu, dass leider circa 60 Prozent der Menschen, die daran leiden, gar nicht wissen, dass sie daran erkrankt sind.“Abschließend betonte Faschinger: „Gegen das Glaukom hilft keine Brille. Ein Optiker stellt Brillen her, kann aber keine Diagnose zu einer Augenerkrankung erstellen. Ausschließlich die Augenärztin beziehungsweise der Augenarzt verfügt über das medizinische Fachwissen und die entsprechenden Diagnosetechniken. Weiters kann auch nur von fachärztlicher Seite eine Behandlungsentscheidung getroffen werden.“

Fotos: Fotodienst/Martina Draper

 

 

 

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