30.09.2018

DOG 2018: Ophthalmologie 4.0

Die Augenmedizin sei "Vorreiter in der digitalen Medizin", erklärte DOG-Präsidentin Prof. Dr. Med. Nicole Eter (Foto) zum Abschluss der DOG 2018, die unter dem Motto "Ophthalmologie" in Bonn abgehalten wurde. Der Kongress hat erstmals in der ehemaligen deutschen Hauptstadt stattgefunden. Mehr als 4350 Teilnehmer kamen ins World Conference Center, davon 2.700 Fachteilnehmer.

Insgesamt konnte die AugenärztInnen 1.152 wissenschaftliche Beiträge verfolgen und 259 Sitzungen besuchen - verteilt auf 53 Symmposien, zehn Updates, 24 freie Vortragssitzungen, 38 Kurse, 35 Postersitzungen, 18 Workshops und drei Keynote Lectures. In einer Industrieausstellung präsentierten 118 Aussteller auf 2.300 Quadratmeter Nettofläche innovative Produkte, zudem fanden 31 Firmenveranstaltungen statt.

Als ein Fach, das mit einer immer präziser werdenden Bildgebung arbeitet, bringt die Augenheilkunde ideale Voraussetzungen mit, um Digitalisierung, Vernetzung und Big Data voranzutreiben. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) will diesen Prozeß aktiv mitgestalten. "Deshalb bauen wir derzeit ein zentrales Register auf, in das niedergelassene wie klinisch tätige Augenärzte pseudonymisierte Patientendaten eingeben können," berichtete Professor Eter. Die Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster verspricht sich von einer solchen Datenbank Fortschritte in Diagnostik und Therapie: "Wir werden Augenerkrankungen besser verstehen und früher erkennen können. Künstliche Intelligenz kann bei der Auswertung von Daten aus der Digitalen Bildgebung und damit bei der Diagnose helfen. Erste Anwendungen zeigen, dass Algorithmen ähnlich niedrige Fehlerquoten bei der Befundung wie erfahrene Kollegen erreichen". Die neuen Künstliche-Intelligenz-Systeme sind hervorragend dazu geeignet, eine Krankheitseinschätzung zu geben und Empfehlungen auszusprechen. Die augenärztliche Basisversorgung kann damit besser und auf ein höheres Niveau gehoben werden. Zudem könnten auch sogenannte "virtual clinics" eingeführt werden, wie es sie in England schon gibt. Insgesamt wird der Augenarzt mehr in eine supervidierende Funktion kommen. All dieser Fortschritt  ist - so Eter wichtig, um den demografischen Wandel zu bewältigen. Zu den Highlights der DOG-Tagung zählte der "Digital Sundy", der sich ausschließlich dem Thema Big Data widmete.

Neben Vernetzung, Datenschutz, Telemedizin, Apps und Künstliche Intelligenz diskutierten die Teilehmer der DOG-Tagung auch über Themen wie neue Biomaterialien, Fortschritte bei induviduell gefertigten Konstlinsen und minimalinvasive Augenmedizin. Diese Schwerpunkte spiegelten sich auch in den Keynote Lectures: Über neue Schnitt-Techniken in der minimalinvasiven Strabismus-Chirurgie berichtete Professor Daniel Mojon aus Bonn, Professor George Williams gab Einblicke in das IRIS-Register, einer zentralen Datenbank für Augenerkrankungen in den USA, wie sie die DOG aufbauen will. Professor Pearse Keane aus London zeigte Möglichkeiten auf, die Deep Learning und Künstliche Intelligenz der Ophthalmologie eröffnen können.

Im kommenden Jahr findet die DOG 2019 unter der Präsidentschaft von Professor Dr. med. Claus Cursiefen statt, dann wieder in Berlin. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik Köln stellt den nächsten Kongress unter das Motto "Augenheilkunde: unser Fach mit Zukunft". Erster Vizepräsident und damit Kongresspräsident 2020 wird Professor Dr. med. Hans Hoerauf, Direktor der Universitätsklinik Göttingen. Professor Dr. med. Nicole Eter ist aus dem Amt der Präsidentin ausgeschieden und nunmehr 2. Vizepräsidentin.

Foto: Mag. Bernhard Steiner


 

 

 

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