21.11.2018

AKH-Augenklink: "Mitten in der digitalen Revolution"

Die Digitale Revolution sei jetzt in der Praxis der Wiener Universitäts-Augenklinik angekommen, berichtete Klinikleiterin Univ.-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth in einer Pressekonferenz zur bevorstehenden ART Vienna 2018: "Genau vor einem Jahr haben wir darüber gesprochen, dass es künftig möglich sein wird, mit einem automatischen, digitalen Netzhaut-Screening und ohne Hilfe des Augenarztes Diabetes am Auge zu diagnostizieren - zwölf Monate später sind wir an der MedUni Wien mittendrin in dieser digitalen Revolution."

Angekündigt hatte man 2017, man werde ab Januar eine Scanning-Software der Firma IDx in Betrieb nehmen, die auf der Basis von Aufnahmen des Topcon NW400 innerhalb einer Minute Auskunft darüber gibt, ob eine moderate oder das Sehvermögen bedrohende Diabetische Retinopathie vorliegt. Mitte April 2018 hiess es dann in einem News Release der FDA der Vereinigten Staaten: "The U.S. Food & Drug Administration today permitted marketing of the first medical device to use artificial intelligence to detect greater than a mild level of the eye disease diabetic retinopathy in adults who have diabetes."

Das hat auch im Wiener AKH den Weg freigemacht und IDx-DR 2.0 ist in Betrieb. Was sich herumgesprochen haben dürfte. Denn - so Schmidt-Erfurth: "Die PatientInnen strömen zu uns in die Universitätsklinik, um sich dieser Untersuchung der Netzhaut zu unterziehen, mit der man diabetische Veränderungen innerhalb von wenigen Minuten ohne Eingriff erkennen kann."

Damit ist wieder ein Stück Artifizielle Intelligenz in der medizinischen Praxis angekommen. In einem Bereich, der rapid wächst und immense Ressoucen in der Augenheilkunde in Anspruch nimmt. Immerhin sind rund 600.000 Menschen in Österreich von Diabetes Mellitus betroffen, von denen etwa ein Drittel eine Diabetische Retinopathie entwickelt. Mit einer Verdoppelung bis hin zu einer Verdreifachung dieser Inzidenzien bis 2050 wird gerechnet. Laut aktuellen Richtlinien sollten Diabetes-Patienten einmal jährlich auf DR hin untersucht werden, das alleine würde schon jetzt mehr als 1.000 Untersuchungen pro Jahr in jeder österreichischen Augenarzt-Praxis bedeuten. Ein flächendeckendes und kosteneffektives Screening könnte Patienten mit DR frühzeitig identifizieren und durch Ausschluss der aktuell nicht gefährdeten Personen die fachärztlichen Ressourcen jenen zur Verfügung stellen, die intensiverer augenmedizinischer Betreuung bedürfen, argumentierten SpezialistInnen der Augenklinik bei der 46. Jahrestagung der Österreichischen Diabetesgesellschaft.

Die Artifical-Intelligence-Medizin sei "super human, besser als der Mensch", betonte Schmitdt-Erfurth. "Die Algorithmen sind genauer und schneller. Das, was hier analysiert wird, kann der Experte mit freien Auge nicht mehr erkennen". Und dennoch sei das Bekenntnis zu Big Data und zu künstlicher Intelligenz kein Plädoyer für eine Medizin ohne Arzt, wie es manche Experten bereits für eine baldige Zukunft propagieren. "Was wir wollen ist der Super-Arzt beziehungsweise die Super-Ärztin, der oder die mit Hilfe der gewonnenen High-Tech-Erkenntnisse die richtigen, individuellen therapeutischen Entscheidungen für den Betroffenen trifft."

Das werde in unterschiedlichen Gebieten der Retinologie angestrebt, berichtete Dr. Amir Sadeghipour, Computerwissenschafter am Christian Doppler Labor für Ophthalmologische Bild-Analyse (OPTIMA): "In Zukunft werden solche Anwendungen der Künstlichen Intelligenz als Decision-Support-Systeme dienen, die Augenärzten helfen können, für jeden Patienten eine personalisierte Therapie zu planen."

In der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II beobachtet man die Netzhaut-Screenings in der Hoffnung, in Zukunft auch kardiovaskuläre Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren zu können. Dabei befinde man sich aber "erst ganz am Anfang", räumte OA Univ.-Doz. Dr. Martin Hülsmann, Leiter der Herzinsuffizienz-Amubulanz dieser Klinik bei der Pressekonferenz ein.

Der Fachkongress "ART Vienna" am 1. Dezember in Wien wird RetinologInnen eingehend über aktuelle Entwicklungen in der Retinologie informieren. Neben Fortschritten in der bildgebenden Diagnostik, Artifizieller Intelligenz und Deep Learning wird die Gentechnologie ein Schwerpunktthema der Veranstaltung sein. Die Keynote Lecture wird vom Schweizer Biomediziner Prof. Dr. Botond Roska kommen, der mit seinem Team eine künstlcihe und voll funktionsfähige Netzhaut gezüchtet hat.

Info: www.artvienna.eu

Fotos: Medical Network | Dr. Erich Feichtinger

 

 

 

 

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