13.03.2018

AAD: Augenheilkunde in Gefahr

Das Gesundheitswesen in Deutschland werde "kaputtgespart" kritisierte der stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) Dr. Peter Heinz bei der Eröffnungspressekonferenz der Augenärztlichen Akademie Deutschlands (AAD) in Düsseldorf. Die moderne Augenheilkunde biete hervorragende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, um das Sehvermögen der Patienten bis ins hohe Alter in guter bis bester Qualität zu erhalten, führte Heinz aus. Allerdings machen Politik, Kassen und Gremien vieles zunichte: "In Deutschland wurde das ehemals beste Gesundheitssystem der Welt auf dem Rücken der Ärzte und Patienten kaputtgespart. Es wurden Fehlanreize geschaffen und ausländische Investoren übernehmen immer mehr die Versorgungslandschaft. Alle nicht-operativen ärztlichen Tätigkeiten sind massiv unterfinanziert. Gleichzeitig häufen die Gesetzlichen Krankenkassen erhebliche Rücklagen an." Einerseits würden viele Krankenkassen "Irisdiagnostik, Bachblütentherapie und andere Leistungen" unkritisch finanzieren, andererseits blockiere man den Einsatz moderner diagnostischer Geräte wie etwa dem OCT. Dr. Heinz fasste zusammen: "Leistungen, die Augenärzte für besonders wichtig halten, werden abgelehnt. Beispiele hierfür sind die augenärztliche Untersuchung bei Kleinkindern zur Vermeidung einer Sehschwäche und die Glaukomfrüherkennung. Die Augenheilkunde wird als rein kuratives Fach gesehen, in dem es nur um die Heilung von Krankheiten geht. präventive oder rehabilative Aspekte werden völlig ausser Acht gelassen". Der Beruf verliere für junge KollegInnen an Attraktivität, während die demographische Entwicklung einen starken Anstieg an augenärztlichen Leistungen erwarten lasse.

Zu den augenmedizinischen Herausforderungen der Zukunft zählt die Zunahme der Kurzsichtigkeit. Schon heute sind 46 Prozent der 25jährigen Menschen in Europa kurzsichtig - und die Tendenz ist steigen. PD Dr. Joachim Wachtlin erläuterte im Rahmen der Pressekonferenz, weshalb Menschen mit hoher Myopie besonderen Risiken für das Augenlicht ausgesetzt sind.

Mehr als die Hälfte der Patienten, die augenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, ist heute älter als 70 Jahre. Auch unter den Menschen, die eine Augenoperation benötigen, steigt die Anzahl älterer Menschen. Sie nehmen häufiger wegen anderer Erkrankungen Medikamente ein, die die Blutgerinnung hemmen. Prof. Dr. Hans Hoerauf führte aus,was Augenchirurgen bei der Operationsplanung beachten müssen und ob diese Medikamente wegen eines eventuell erhöhten Blutungsrisikos vor dem Eingriff abgesetzt werden müssen. Dank moderner, atraumatischer Operationsmethoden ist dies bei den häufigsten augenchirurgischen Verfahren nicht mehr notwendig.

Eine Augenkrankheit, deren Behandlung nach wie vor eine Herausforderung darstellt, ist das Normaldruckglaukom, berichtete Prof. Dr. Lutz Pillunat. "Das Normaldruckglaukom zeichnet sich durch ein Glaukom-typisches Absterben des Sehnerven mit entsprechenden Gesichtsfledausfällen auf, ohne dass der Augeninnendruck erhöht wäre". Hier sind zur Früherkennung die Diagnosemöglichkeiten und Expertise des Augenarztes besonders gefordert. Pillunat: "Eine Augendruckmessung beim Optiker ist ja ganz nett, aber Patienten mit Normaldruckglaukom werden da in falscher Sicherheit gewogen". Eine neue Leitline zur Optikusneuritis von BVA und DOG stellte in Düsseldorf Dr. Flemming Beisse vor. . Diese Erkrankung betrifft pro Jahr vier von 100.000 Menschen und häufig ist sie das erste Anzeichen einer Multiplen Sklerose.

Die 19. Augenärztliche Akademie Deutschlands nutzen rund 5.000 Teilnehmer - Augenärzte und ophthalmologisches Fachpersonal - für Fortbildung auf hohem Niveau berichtete Dr. Ludger Wollring, Pressesprecher des BVA.

Fotos: Medical Network | Dr. Erich Feichtinger

 

 
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