11.05.2017

30. DOC 2017:Trends und Innovationen

Die 10 spannendsten Forschungsprojekte der Augenheilkunde stellte Kongresspräsident Dr. Armin Scharrer zum Auftakt des 30. Internationalen Kongresses der Deutschen Augenchirurgen (DOC), in den Mittelpunkt einer Pressekonferenz. Diese Studien und Forschungsaktivitäten, die Dr. Mignon Hann der Presse vorstellte, werden unter anderem im Rahmen des Symposiums "Ophthalmologie 2025 – Trends und Innovationen" von den Kongressteilnehmern in Nürnberg diskutiert.

1) 3-D-Netzhaut-Transplantate: Stammzellen gegen Blindheit

Gegen Netzhaut-Erkrankungen wie diabetesbedingte Netzhautschäden (diabetische Retinopathie), Makuladegeneration (Altersblindheit) und die erbliche Augenerkrankung Retinitis pigmentosa, die zu Erblindung führen, entwickeln Forscher biologische Netzhaut-Transplantate, die zugrunde gegangenes Nervengewebe ersetzen können.

Dabei gelang es jetzt, aus humanen embryonalen Stammzellen nicht nur einzelne Zellschichten, sondern eine dreidimensionale Kultur von Netzhautgewebe zu züchten, die aus mehreren Schichten besteht und deren Nervenzellen alle untereinander verschaltet sind.


2) Spritze gegen nAMD: Neue Medikamente wirken länger

Bei der Behandlung der feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) verhindern Injektionen in den Augapfel mit modernen Antikörper-Präparaten die Bildung neuer Blutgefäße, die die Krankheit auslösen. Die bisher verfügbaren Substanzen dazu mussten bisher alle vier bis acht Wochen gespritzt werden. Derzeit werden jedoch neue Medikamente und Techniken erprobt, die entweder länger (bis zu zwölf Wochen) wirken oder die den Wirkstoff verzögert freisetzen.


3) Optogenetische Gentherapie mit Laser: Neue Hoffnung für Netzhaut-Patienten

Bei der modernen Gentherapie von blinden Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD, Altersblindheit) und Retinitis pigmentosa können Forscher den Betroffenen das Genmaterial lichtempfindlicher Stoffe jetzt mit einem ultraschnellen Nah-Infrarot-Laser äußerst präzise an die richtigen Stellen in der Netzhaut schleusen. Diese Methode ist noch im Forschungsstadium.


4) Netzhautveränderungen: Kann ein Augen-Test bald Parkinson nachweisen?

Parkinson war bisher nur indirekt über Ausschlussdiagnosen festzustellen. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass bei Parkinson schon sehr frühzeitig Netzhautschwellungen auftreten, die eine rechtzeitige Diagnose durch einen Augenarzt ermöglichen.


5) Mikroskopisch genaue Glaukom-Früherkennung: Neue Technik macht einzelne Netzhautzellen sichtbar

Mit Hilfe einer speziellen Ophthalmoskopie (AOLSO-Technik) in Kombination mit einer Multi-Erkennungs-Technik gelang es Forschern jetzt, nicht nur die Nervenfaserschicht, sondern sogar einzelne Nervenzellen sichtbar zu machen.Damit ließe sich ein Glaukom bereits im Frühstadium erkennen und rechtzeitig behandeln.


6) Implantierbares "Mini-Fernglas" für Patienten mit Makuladegeneration im Endstadium

Patienten mit einer altersbedingten Makuladegeneration im Endstadium hatten bisher kaum Möglichkeiten, ihr nur noch geringes Sehvermögen zu verbessern.

Ihnen kann jetzt eine neue Linse eingesetzt werden, in die ein Mini-Fernglas eingebaut ist. Das Teleskop-Implantat soll den Betroffenen ermöglichen, wieder besser zu sehen.


7) Stammzelltherapie: Forscher lassen Hornhaut und Augenlinsen wachsen

Forschern gelang es, menschliche Stammzellen so zu programmieren, dass aus ihnen bei Verletzungen oder massiven Hornhautschäden neues Augenhornhautgewebe wachsen konnte. Eine andere Gruppe brachte Stammzellen im menschlichen Auge dazu, nach einer Kataraktoperation eine neue, körpereigene Linse zu bilden.

Beim Grauen Star ergaben Versuche, dass sich die Augenlinse wieder neu bildete, nachdem die getrübten Linsen entfernt wurden und epidermale Stammzellen dieser Linsen im Auge zurück blieben.


8) Stammzellen heilen Hornhaut-Narben

Nach Verletzungen, Infektionen, Entzündungen und anderen Erkrankungen bilden sich auf der Augenhornhaut nicht selten Narben, die das Sehen stark beeinträchtigen. Durch eine Injektion von mesenchymalen Stammzellen gelang es jetzt, die Transparenz der vernarbten Hornhaut wiederherzustellen, indem die Stammzellen hohe Konzentrationen von Hepatozyten-Wachstumsfaktoren bildeten. Das könnte zur Entwicklung neuer Therapien von stark vernarbten Augenhornhäuten mit Hepatozyten-Wachstumsfaktoren führen.


9) Erste Gentherapie gegen Farbenblindheit

Gegen die erblich bedingte vollständige Farbenblindheit (Fachausdruck: Achromatopsie) ist jetzt in Tübingen die weltweit erste Gentherapie gelungen. Augenärzte schleusten dazu über Viren gesunde CNGA3-Gene direkt in die funktionslosen Netzhautzellen. Mehrere Wochen später können die Zellen die neu eingeschleusten Informationen nutzen, wieder normale Sehpigmente herstellen und ein Farbsehen ermöglichen. Gegen die erblich bedingte vollständige Farbenblindheit (Fachausdruck: Achromatopsie) ist jetzt in Tübingen die weltweit erste Gentherapie gelungen. Augenärzte schleusten dazu über Viren gesunde CNGA3-Gene direkt in die funktionslosen Netzhautzellen. Mehrere Wochen später können die Zellen die neu eingeschleusten Informationen nutzen, wieder normale Sehpigmente herstellen und ein Farbsehen ermöglichen.


10. Glaukom-Therapie ohne tägliches Tropfen: Mikro-Implantat gibt kontinuierlich Wirkstoff ab

Verschiedene Forschergrupppen arbeiten an implantierbaren Kapseln, die in das Auge eingesetzt werden können und dort über einen längeren Zeitraum den jeweiligen Wirkstoff in richtiger Dosierung abgeben bzw. freisetzen. Dr. Thomas Walters vom Texan Eye/Keystone Research Center in Austin/Texas hat mit mehreren Kollegen ein System entwickelt, das er zurzeit in einer klinischen Phase-2-Studie an mehreren Patienten erprobt. Mit Hilfe eines speziellen Injektors wird die winzig kleine Kapsel in die Augenvorderkammer injiziert. Bis jetzt ist es gelungen, dass das Implantat den Prostaglandin-Wirkstoff über neun Monate lang kontinuierlich abgegeben und den Augeninnendruck um durchschnittlich 26 Prozent gesenkt hat. Nun erproben die Wissenschaftler, ob diese Behandlung auch über zwölf Monate möglich ist.

Fotos: Medical Network | Dr. Erich Feichtinger





 
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