28.04.2008

Honorarkampf der steirischen Augenärzte: Sanatoriumsboykott gegen unzumutbare Tarife

Der steirische Fachgruppenobmann MR Dr. Roderich Fellner zog mit seinen Ophthalmochirurgen in den Kampf um faire Honorare. Die Versicherungen mauern.

Anfang April hörten die steirischen Ophthalmo-Chirurgen auf, Katarakte zu operieren. Der Grund: Wieder einmal hatten die Privatversicherungen radikal die Honorare gekürzt. Ohne mit der Ärztekammer auch nur verhandelt zu haben. Denn: In der Steiermark verhandeln die Privatversicherungen nicht wie etwa in Wien die Honorare mit der ärztlichen Standesvertretung sondern mit den Sanatorien. Von denen übrigens eines der drei großen Häuser (die Privatklinik Graz Ragnitz) drei Privatversicherungen gehört.

Mehr oder minder mit sich selber haben die Privatversicherungen also ausgemacht, dass die Augenchirurgen für eine Kataraktoperation in einer Nach-und-Nebel-Aktion ab 1 April 2008 statt 1.500 Euro nur mehr 1.051,04 Euro erhalten sollen. Eine Honorarkürzung um fast 450 Euro auf einen Schlag!

Eine ähnliche Situation gab es übrigens schon vor zwei Jahren als man die KAT-OP-Honorare still und heimlich von 1.500 auf 1.300 Euro senken wollte. Bemerkt haben das die Chirurgen übrigens erst nach zwei Monaten, als die niedrigen Honorare zur Auszahlung kamen. Die damalige Protestaktion der Augenärzte bewirkte, dass letzlich die Häuser die Reduktion schluckten und die Ärztehonorare gleich blieben.

Fachgruppenobmann MR Dr. Roderich Fellner bringt die Situation im Gespräch mit "Medical Network" auf den Punkt: "Von 2000 bis 2007 stiegen die Prämien der Privaten Krankenversicherungen
im Schnitt um knapp 25 Prozent. Die Inflation erhöhte
sich im gleichen Zeitraum nur um rund 15 Prozent. Der Leistungszuwachs - also die Arzthonorare in Sanatorien, alle Fachgruppen zusammengenommen - stieg gar nur um 0,4 Prozent."

Eine Argumentation, die die Ärztekammer Steiermark in einem Flyer zusammenfasste, der den PatientInnen in den Ordinationen auch verriet: "Für die Betreuung eines Wiener Versicherten gibt es bis zum Doppelten
des Leistungshonorars, das die Versicherungen Ihren steirischen Kunden
zubilligen – obwohl diese nahezu gleich hohe Prämien zahlen."

Diesen Flyer wollten die Privatversicherungen durch ein Anwaltsschreiben einziehen lassen. Zur Zeit findet man ihn noch auf der Ärztekammer-Homepage.

Jetzt operieren die Ophthalmo-Chirurgen, die sich beim Boykott seit 1. April erstaunlich solidarisch gezeigt hatten, vorläufig wieder. MR Dr. Fellner: "Es gab einfach für die Patienten schon zu lange Wartezeiten und wir wollen ja schliesslich auch nicht Sanatorien finanziell ruinieren". Wie der Honorarkampf ausgeht ist noch offen. Zu Ende ist er jedenfalls nicht - auch wenn die Privatversicherungen mauern und darauf setzen, dass die sich Sanatorien mit den Chirurgen die Kürzungen wieder irgendwie aufteilen.

Weitere infos (dort finden Sie auch den umstrittenen Flyer der Ärztekammer zum download): www.aekstmk.or.at/cms/cms.php?pageName=58&articleId=1660

Redaktion: Dr. Erich Feichtinger